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 (Text u. Recherche: Jo Kracht)

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Kurz vor dem Woltersdorfer Ortseingang aus Richtung Lüchow kommend, zweigt links ein kleiner Wirtschaftsweg nach Norden ab und man erreicht nach ca. 1,2 km das älteste Wahrzeichen Woltersdorfs, den - Brautstein -.
Um diesen mächtigen Findlingsblock, der durch die jüngste Eiszeit zu uns gewandert ist, rankten sich durch die Jahrhunderte viele Sagen. Hier wird  zuerst die niederdeutsche Version vorgestellt, wie sie um 1700 entstanden ist und in Woltersdorf auch so von Generation zu Generation weitergegeben wurde:

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Zum besseren Verständnis für die vielen jüngeren Leser, die mit der Frakturschrift und ihren Ligaturen nicht mehr viel anfangen können, wird hier der Text noch einmal aber lesbarer und in der sogenannten Zeitungsschrift  “Times NewRoman kursiv”  wiedergegeben, falls Ihr Webbrowser es darstellen kann:

„Wat öft mit Brutlüd is passehrt,
dat is doch wol vertellenswert;
davon vertell ick een Gedicht,
dat is gewisslich keen Gedicht.“

Bi Woltersdörp do liggt een Steen.
is hüt up düssen Dag to seen,
 Brutsteen, so wart he hüt noch seggt,
von Oll un Jung, von Deern un Knecht
.

Doch wu dat nu so recht togeit,
dat man em „Brutsteen“ nennen deiht,
dorvon giwt folgende Gedicht
gewissen, grünnlichen Bericht.
Un is dat her sösshunnert Johr,
steid in mien Book noch hell un klor:

Twe Brutlüd hewen Hochtieed tied hat,
vöhl Lüd weern dor ut Trewelstadt
un ut Dörp Lüchow dor to bäden,
dat se sick fast dood drüggen däten.
Se köm`n to Foot, se köm`n to Pähr,
keen Appel künn mer kam to Eer.
Mien Book, de giwt de Tahl noch an:
Fiefhunnert veer un sösstig Mann!

Twölf Musikanten weern da to,
dat Spöl ging los in Jubilo.
Mit Trödings un mit Figelien,
de Larm künn gornich düller sien.
Doch ehr de Köst nu recht angeiht,
so weeten ji doch wull bescheit,
da müst de Paster jem erst truhn,
noher süppt sick de Buhr erst duhn.

Geputzt köm nu de Brögam rut:
”Wer will nu mit, ick hol mien Brut!”
So säh he, un to Foot un Pähr,
folgt em dat ganze Volk hinher.
De Musikanten spölten frisch,
dat weern Gejuch, dat weern Gekrisch,
bedd se denn alle Mann för Mann
na Dörp kämen in dat Bruthus an.

De Brögam kreeg sien Brut bit Lief,
un sä to är: “Du warst mien Wief!”
He hülp se up de Wagen rupp
un förwarts güng de ganze Trupp,
Doch as se ut dat Dörp rut weern,
da sä de Brut: “Lat uns umkeern,
een leew Gewitter kümmt un natt
warrn wi toletzt noch as een Katt!“

„Lat rägen, sä de Brögamsmann,
lat dunnern, wat geit uns dat an?
Hüd is mien Hochtiedsdag, un hüt
häwwn wie to bäden keene Tiet!”
Da sä een Fru: „Driff du noch Spodd,
am Hochtiedsdag mit`n leewen Godd?”
„Lat dunnern!” ropen Mann för Mann,
„Lat blitzen, wat geiht uns dat an?
Muskanten spölt, lat ju nich stören,
dat wie dat Dunnern gornich hören!
Hüt is ja Hochtiedsdag un hüt,
häwwn wie to bäden keene Tiet!”

„Krach krach!“ Da föhl een hellen Blitz
von Himmel raff un as een Mütz,
da weer ok in een half Sekunn
Brut, Brögam, Pähr un Wag verschwunn.

– Un an de Stäht, da wüss een Steen. –

Erst weer he wull so as een Brot,
nohär so as een Backoof grot.
Fief lütte Steen, de ligg`n vörhär,
dat is de Föhrman un de Pähr.
Ok seggens noch för ganz gewiss,
da liggt de Buhr sien Tunnerbüss.

Nu stünn de Gäst un kekent an.
Da kööm een ganz steenoller Mann,
de sä:„ Ji seht, dat is se Sünn´!
Hollt doch de leewe Godd tum Frünn`!
Wär Spodd drift mit de läwe Godd,
mit de drift he ok wedder Spodd!
Nu gah een jeder still to Hus
un krup in Winkel, as een Muus!
Ju Kinner könn ji datt vertelln,
düss Steen, de will wi Brutsteen nenn!”

To düsse wunnerbar Gedicht,
is nu ok gor to föhl to dichtt.
So seggens, wer in düsse Steen
een Lock rinbohrt, so is to sehn,
so glieck dat klare helle Bloot,
as weern de Brutlüd noch nich doot.
Drum will de Steen ok keen Minsch klöben,
doch is dat swerlich woll to glöben.
Ok seggens, de Buhr mit sien veer Pähr
ridd gar to öft des Nachts umher
un spökt in düsse Gegend rum
un föhrt de Buhr oft recht wiet um.“

***

Milli Klatt weiß aber noch von einer anderen Sage über den Brautstein zu berichten. Auch diese wollen wir dem geneigten Leser nicht vorenthalten:

„Ein Ritter und eine adlige Jungfrau liebten sich herzlich. Eines Abends saßen sie traurig auf einem Felsenstein im Birkenwald auf der Heide. Sie wollten Abschied nehmen, weil der Ritter in den Krieg zog. Er fragte die Braut, ob sie ihm treu bleibe. Das schmerzte die Braut sehr und sie schwor, eher solle sich der Fels von der Stelle rücken und sie lebendig in der Gruft bedecken, ehe sie dem Geliebten die Treue brechen würde.
Sie hat ihm aber dennoch die Treue gebrochen, und wie sie es gesagt, so ist es gescheh`n....
Denn als sie mit ihrem neuen Liebhaber auf dem Fels gesessen, hat der Stein sich plötzlich riesengroß aus der Erde gehoben und die Ungetreue, die vergeblich vor ihm geflohen, hinabgedrängt in die aufgerissene Erde. Ihr Blut hatte die kleinen weißen Blüten der Heide gerötet.
Als der Ritter nun heimkam, da ahnte ihm wohl, was geschehen war. Er schlug heftig mit seinem Schwert an den Stein und siehe: Ein roter Blutstrahl sprang heraus und ein banger Klageton erscholl aus der Tiefe. Da erkannte der Ritter, daß er betrogen worden war, nahm noch einen Strauß aus der roten Heide zum Angedenken an seine traurige Liebe mit und trieb sein Roß wieder hinaus in neue Kämpfe.

Die rote Heide heißt heute noch Brauttreue und die weiße bringt Unglück!“

Milli Klatt bemerkt hierzu:
„Zu meiner Zeit gab es nur noch wenige Menschen im Dorf,  die an Spuk und Wunderdinge glaubten. Ich hörte nur einmal, daß in dem Haus, wo der Besitzer die kleineren Steine des Brautsteins in sein Fundament eingebaut habe, seitdem kein Glück mehr auf diesem Hofe war“.
***

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