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Das ehemalige Gutsgebäude von dem Bussche war seit fast einhundert Jahren im Besitz der Familie Wolter, bekannt unter dem Namen „Burgwolter“.

Marianne Gehrke schreibt hierüber:

„Ungewöhnlich ist die Existenz zweier Adelshöfe in einem Dorf. Das älteste Gut legte ein Ritter an, dessen Name leider im Dunkeln blieb. Dieses Gut ist offenbar aus einer früheren Turmhügelburg (Motte) hervorgegangen; es wurde am westlichen Ende der Südseite des Dorfes angelegt und war von einem Wassergraben umgeben.
Diese kleine Wasserburg sollte als Sicherheit für den Ritter dienen aber auch zugleich den Dorfbewohnern, bei feindlichem Einfall, eine Zufluchtsstätte sein. Auch die Quelle, der heutige Spring, war für diese Ansiedlung ein wesentlicher Grund.

Ohne Zweifel hat dieser erste Woltersdorfer Gutshof schon zu Lebzeiten des Grafen von Lüchow bestanden. Der erste Graf von Lüchow (Hermann I.) regierte 1145 – 1174 und der letzte (Hermann IV.) von 1278 – 1317.

Der erste urkundlich genannte Besitzer des Gutes ist Werner  Billerbeck gewesen. Im Jahre 1363 war Otto von Doren (Dähre) hier ansässig. Diesem folgte die Familie von  Bodendorf. Deren vermutlicher Vorfahre Ernst Bodendorf  (Bodendorpe) saß 1392  und später, während der schlimmsten Raubritterzeit, mit Ludolf Bodenteich  auf Warpke.

Nach dem Tode des Jobst Heinrich von Bodendorf, dem letzten des Geschlechts, am 24. April 1733, wurde die Familie von Fabrice mit dem Gute Woltersdorf und dem dazugehörigen Sattelhofe zu Wierstorf bei Isenhagen belehnt.
Der Oberhauptmann August Christian von Fabrice starb am 4. Mai 1760 ohne männliche Erben. Seine Nachfolger wurden die Geheimräte Philipp und Adam von Eltz,  Schwestersöhne und der Geheimrat Friedrich August von Hardenberg. Dieser verstarb am 21. September 1768.
Johann Clamor August von dem Bussche  wurde im selben Jahr alleiniger Lehnsinhaber des Gutes.

1876 wird Hilmer Ludwig von dem  Bussche  als Gutsbesitzer geführt, 1909 ein Kaufmann aus Hannover namens Goldschmidt.

1910 erwarb Hermann Wolter das Anwesen. Der Gutshof mit den anliegenden Grundstücken, im ganzen 37 Morgen, ist in einer Hand geblieben und wird heute noch die Burg genannt und ist bis jetzt in Familienbesitz geblieben.
Gegenüber der Burg standen früher die strohgedeckten Häuser der Hörigen.“

                                                                    *** 

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Stammwappen der von dem Bussche

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Die Burg vor über einhundert Jahren

Joachim Kracht erinnert sich:

Für uns Kinder übte die Burg immer eine besondere Faszination aus, denn, wenn wir in der Schule auf der Südseite aus dem Fester schauten, hatten wir sie ja ständig vor Augen. Geheimnisvoll lag sie da, auf dem großen Hügel, von uralten Eichen umgeben.
Auf einem dieser Bäume befand sich ein riesiges Storchennest und wir Schulkinder konnten als erste daran teilhaben, wenn alljährlich das Storchenpaar laut klappernd sein Sommerquartier bezog.
 
Auch sonst war viel Leben auf der Burg. Wie fast alle Bauern in Woltersdorf, musste sich auch die Familie Burgwolter mit der Zwangseinquartierung von Kriegsflüchtlingen abfinden. Fast jeder irgendwie bewohnbare Raum war belegt.
Direkt unter dem Dach wohnte u.a. auch eine Familie Wolter, die später mit dem Namen Kinderwolter geehrt wurde, weil sie außerordentlich zur Vergrößerung der Woltersdorfer Bevölkerungszahl beigetragen hat.

Da wir Kinder uns untereinander oft besuchten, schauten wir uns natürlich auch im Burggebäude um. Ich war immer wieder fasziniert von dem hohen dunklen Hausflur, in dem eine riesige Standuhr tickte, angetrieben von zwei schweren Messinggewichten.
In der Küche befand sich noch eine offene Feuerstelle. Gekocht wurde in Töpfen, die darüber auf einem eisernen Dreibein standen.

Das Einzige, was wir nicht fanden, war der Zugang zu dem sagenumwobenen Geheimgang, der beide Güter miteinander verbunden haben soll. Zwar gab es im Keller ein Gewölbe, das abrupt am Hausfundament endete aber Näheres war nicht in Erfahrung zu bringen.

Lag im Winter mal richtig Schnee, mußte die Westseite des Burgbergs als Rodelberg herhalten. Das war dann schon ein buntes Treiben, rund um die Burg. Diejenigen, die das Glück hatten, eigene Schlittschuhe zu besitzen, vergnügten sich auf dem Bauernteich. Die Kleinen und wir Flüchtlingskinder rutschten mit geliehenen Schlitten oder auf dem Hosenboden den Burgberg hinunter.

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... unser ehemaliger Rodelberg.

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... erstaunlicherweise ist der Unterbau für das Storchennest, seit über 60 Jahren, bis heute erhalten geblieben.

Der letzte Burgherr, der das Gehöft und die Ländereien rund um die Burg fast bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts bewirtschaftete, war Hermann Wolter, im dörflichen Sprachgebrauch aber nur Burgwolters Hermann genannt.
Er sorgte schon 1950 als sog. „Interimsvorsitzender“ dafür, dass die  Woltersdorfer Schützengilde endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen konnte, der ihr zwangsweise von den britischen Besatzern seit 1945 verordnet worden war.
Hoch zu Pferde führte er 1951 beim 1. Woltersdorfer Nachkriegsschützenfest  den Festzug als Gildehauptmann und 2. Vorsitzender an. Im darauffolgenden Jahr wurde er selbst Bester Schütze und konnte sich als Schützenkönig feiern lassen. Zu diesem Anlass wurde auf dem Burgareal ein großes Festzelt errichtet, in dem wir Kinder heimlich herrlich herumtollen konnten.

Die Jahre gingen ins Land und Hermann Wolter hatte seine Vereinsaktivitäten schon bald in jüngere Hände gelegt. Trotzdem liebte er die Geselligkeit und war bei keiner Feierlichkeit wegzudenken. Zu fortgeschrittener Stunde rezitierte er gerne aus der Ode von Friedrich Schiller:
 
        Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium,
        Wir betreten Feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!“

Dieses Zitat wurde dann im Laufe der Zeit zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen.
Unvergessen sind für mich auch die Augenblicke, wenn er bei den Gildefrühschoppen oder beim Schüsseltreiben nach der Treibjagd, das Gedicht vom „Lütt Matten, de Has“ in seiner, ihm eigenen Art vortrug. Mir jedenfalls bereitete es regelmässig feuchte Augen.
Gerne gebe ich hier den Text im Original, gedichtet von Klaus Groth, wieder:                       

„Lütt Matten, de Has´,
de mök sick een Spaß
he weer bi´t Studeern
dat Danzen to lehrn
un danz ganz alleen
op de achtersten Been

Keem Reinke de Voss
un dach: dat´s een Kost!
Un seggt:"Lüttje Matten,
so flink op de Padden?
Un danzst hier alleen
op dien achterste Been?

Kumm laat uns tosam!
Ik kann as de Daam!
De Kreih, de speelt Fidel,
denn geiht dat kandidel,
denn geiht dat man scheun
op de achtersten Been!

Lütt Matten geev Poot,
de Voss beet em dood.
Un sett sick in´n Schatten,
verspies de lütt Matten.
De Kreih, de kreeg een
vun de achtersten Been.“

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 (Text & Recherche: Joachim Kracht)

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Imponierend sind immer wieder die uralten Eichen, die das Grundstück zum Koreitz hin abgrenzen. Sie bilden den ältesten Baumbestand des Dorfes.

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