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Beim Schützenfest 2017 hatte die Mondscheinkompanie der
 Woltersdorfer Schützengilde ihr fünfzigjähriges Jubiläum.
Mitbegründer Joachim Kracht schildert hier seine persönlichen Eindrücke von der „Ersten Stunde“:

Wie alles begann oder - warum es so wurde, wie es wurde ....!

Die Werber der  Schützengilde waren uns in den Jahren  1964/65 schon länger auf den Fersen. Unsere 7-er Junggesellenklicke, bestehend aus Gento, Barnie, Eskimo, Jo, Base, Kalli und Herrn B. aus L., waren durchaus ein Objekt der Begierde um frisches Blut in den Verein zu bringen.
Natürlich zierten wir uns, denn wir waren viel mehr am gemeinsamen  Freitagskartenspiel - Schafskopf, Poker und Grüne Wiese (eine  getarnte Beschreibung für 17+4!) - und an den gemeinsamen Fahrten zu den Samstagstanzvergnügen im Landkreis interessiert. Und mit Schießen,  Marschieren und Singen konnte uns auch so recht keiner locken.

Unsere wöchentlichen Kartenspielabende fand abwechselnd in den Gastwirtschaften von Ernst Bitter („Zur guten Quelle“) oder Paul Otto („Zur Post“) statt und wurden bald zu einer festen Gewohnheit. Das wußte natürlich  auch der Gildevorstand und so wurden wir dort regelmäßig mit diversen  Freigetränken und den damit verbundenen Eintrittsargumenten umworben.

Zwischenzeitlich mußten einige von uns ihren Waffendienst bei der Bundeswehr ableisten. Mit dieser neuen Erfahrung trat bei den Betreffenden ein Sinneswandel  ein, denn die damalige Grundausbildung bestand hauptsächlich aus dem  Formaldienst (Marsch und Gesang) und aus Schießen lernen.
Nicht mehr  und nicht weniger bot uns auch die Schützengilde mit ihrer Mitgliedschaft an. So dauerte es dann auch nicht mehr lange, bis sich unsere ganze Klicke  (mit Ausnahme von Wolfgang B., weil er in Lüchow wohnte) in der Woltersdorfer Schützengilde wiederfand.
Als aktive Soldaten, die wir noch waren, wurden wir beim Schützenfest 1966 durch die  lasche Kommandoführung beim Antreten und den Ummärschen reichlich enttäuscht. Da  waren wir, die wir auf dem Kasernenhof durch ehemalige Wehrmachtsunteroffiziere gedrillt worden waren, etwas anderes gewohnt - nämlich:
Klare, deutliche Kommandosprache sowie direkte und unmittelbare Befehlsgebung!
Bei den kommandierenden 1. und 2. Vorsitzenden - beides altgediente  Soldaten - war dies auch weiter  kein Problem aber wir hatten es als  frischgebackene Schützenbrüder im Mannschaftsdienstgrad hauptsächlich  mit dem Spieß (Kompaniefeldwebel) zu tun. Dessen Manko war, daß er nie eine  militärische Ausbildung durchlaufen hatte und deshalb versuchte er, bei den  Schützenfesten einigermaßen über die Runden zu kommen.
Üblicherweise wurde ihm am 2. Schützenfesttag das Kommando über die gesamte  Schützengilde übertragen. Dabei unterlief ihm so mancher Fehler, der  dann von uns nicht immer ganz fair quittiert wurde.
Die Konsequenz daraus war ein Eintrag in seinem Spießbuch, verbunden mit einer Strafe für uns.

Und so zog dann das Schützenfest 1967 herauf.

Der amtierende Schenker, Hans-Hermann Burmeister-SchulzDer Fleissige“), war Schützenkönig  und der amtierende Gildetambour, Werner Gauster („Der Mutige“), zum dritten Mal Kronprinz geworden. Vizekönig Heinz KräftDer Freundliche“) schied in dem Jahr aus seinem Amt aus.

Die Bewirtung beim König und Vizekönig war ausgezeichnet, das Einzige, das  uns nervte, waren die merkwürdigen Kommandos beim Ummarsch.
Beseelt von dem Gedanken, dem Dorf endlich einmal zu zeigen, daß es auch anders gehen kann, beschlossen wir spontan, uns nach dem Ende des  Tanzvergnügens in den frühen Morgenstunden mit dem Rest der Truppe im  Wiesengang (heute Feuerwehrstraße) am Düngerschuppen zu treffen.

Nach und nach trafen die eingeladenen Schützenbrüder ein, teilweise noch schwer gezeichnet von den Tagesereignissen.
Schon bald entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber, was wir eigentlich  machen wollten. Natürlich hatten alle Hunger und Durst  und  den galt es nun einmal vordringlich zu stillen. Also entschlossen wir uns, durch lautes Singen Aufmerksamkeit zu erregen, was dann aber nicht  so recht zum gewünschten Erfolg führte. Wir waren zwar ziemlich  laut  und durchaus textsicher bei den Liedern aber auch reichlich geschwächt  durch Schlafmangel und reichlichen Alkoholgenuß.

Als glückliche Fügung erwies sich, daß Schützenbruder Horst Wilke, als Musiker von der Kapelle „Die Amigos“ zu uns gestoßen war und bereits Einlagen mit seiner Trompete gab.
Er war es dann auch, der die beiden frischgebackenen Posaunenchormitglieder Karl Bense junior und Herbert (Pelé) Gauster animierte, ihre Instrumente zu holen.
Das ging natürlich nicht ohne Diskussionen ab, denn schließlich gehörten  die Instrumente der Kirche aber schon bald konnten beide mehrheitlich überzeugt werden.

Unter dem Kommando von Joachim Kracht formierte sich das Ganze und es ging auf direktem Wege zum Quartier von Schützenkönig Hans-Hermann Burmeister-Schulz. Der aber wußte überhaupt nicht, was ihm geschah, als die bunt gewürfelte  Truppe einen preußischen Parademarsch nach dem anderen vor seinem Haus  absolvierte, nur, um endlich seine Aufmerksamkeit zu erlangen.
Schließlich war es seine Mutter Anni, die uns zu dieser frühen Stunde mit Getränken versorgte, so daß wir endlich unsere ausgetrockneten Kehlen ölen konnten.

Frisch gestärkt entschlossen wir uns dann, mit Musik und Gesang das ganze Dorf zu wecken. Fast waren wir auf der Dorfstraße bis zur Gastwirtschaft  Bitter gelangt, als die ersten Kameraden zu schwächeln begannen.
Jo Kracht, der mittlerweile von allen Beteiligten stillschweigend als  Kommandierender  akzeptiert worden war, gab den Befehl zur Rast.
Viele sanken erschöpft in das Gras der beiden tiefen Gräben, die links und rechts neben der Dorfstraße verliefen. Jo Kracht erklomm die nächstliegende Milchbank vor dem Grundstück Krohne und versuchte die fußlahme Truppe mit aufmunternden Reden zu motivieren.
Schon bald öffneten sich in den umliegenden Häusern die Fenster und man  lauschte interessiert den Ausführungen, die ziemlich laut in diesen  frühen Morgenstunden geboten wurden.
Immer wieder untermalte Horst Wilke die Darbietung mit seinem  Trompetenspiel und stellt dabei unter Beweis,  daß er sein Instrument, trotz leichter Schwächeanfälle, durchaus noch  auf dem Rücken liegend  beherrschte.

Gastwirt Ernst Bitter, inzwischen vom Lärm geweckt, lugte aus seiner halb geöffneten  Kneipentür und schaute dem ungewohnten Treiben zu. Schließlich winkte er einen von uns heran und überreicht ihm einen Korb mit mehreren Flaschen Bier und  einer Flasche Hochprozentigen.
Der Morgen war gerettet und unser Dank war  ein Parademarsch im Stechschritt, der nun doch langsam zu unserem  Markenzeichen wurde.
 
Mit frischer Energie versorgt, steuerten wir das nächste Ziel - unseren Gildehauptmann Waldemar Straßenburg-Schulz - an, der bereits seit geraumer  Zeit in der Ziegeleistraße den ehemaligen Hof Martens bewohnte.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich dort im Hause etwas regte.  Musik und laute Kommandos waren bisher um diese Zeit recht ungewöhnlich. Nachdem wir bereits zum fünften Mal vor dem Grundstück auf- und ab  paradiert hatten, öffnete sich endlich ein Fenster und man fragte nach  unserem Begehr.

Dort fiel dann auch zum ersten Mal der Begriff  „Mondscheinkompanie“, welche zu Ehren des 2. Gildevorsitzenden eine Parade abhalten wollte.  Nachdem wir auf seinen Wunsch hin mittlerweile den 6. Parademarsch  absolvierten, wurden wir zu einem reichhaltigen Frühstück  eingeladen, das uns seine Ehefrau Ingrid aufs Beste bereitet hatte.
 
Irgendwann - Stunden später - fand sich ein Teil der Truppe vor dem Friseurgeschäft von  Heinz Hennings im Straßengraben sitzend wieder. Horst Wilke spielte noch ein Morgenlied, dann verstreute sich der Rest der Kompanie.

Beim Gildefrühschoppen des 2. Schützenfesttages wurde Joachim Kracht von den neugierig gewordenen Anwesenden förmlich gelöchert, so daß er sich bald zu einem umfangreichen Bericht über die nächtlichen Aktivitäten genötigt sah.
Und mit dieser Aktion war die „Mondscheinkompanie“ endgültig im Woltersdorfer Schützenleben angekommen.

Wo alles begann ...
Die letzte Woltersdorfer Milchbank in Patenschaft der Schützengilde.
(Für das bevorstehende Pfingstjubiläum bereits zünftig hergerichtet!)

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Die Initiatoren

Zu den Gründern der Mondscheinkompanie möchte ich nicht nur
Diejenigen  zählen, die im Jahr 1967 dabei waren, sondern auch
die Kameraden, die  in den beiden darauffolgenden Jahren aktiv
dazu beigetragen haben, dass  die Idee der „Ersten Stunde“ auch
 weiterhin fortbestehen konnte.
Mein Dank als 1. Kommandeur gilt meinen Mitstreitern in alphab. Reihenfolge:

Barstorf , Joachim,
Bense, Karl junior,
Danike, Hans-Joachim,
Gain, Ernst-Günther,
Gauster, Herbert,
Grade, Martin,
Kammradt, Hans-Jürgen,
Kammradt, Karl junior,
Möller, Hermann,
Möller, Manfred,
Schmidt, Gerhard,
Schulze, Horst,
Stödter, Manfred,
Wilke, Horst,
Wolter, Wolfgang.

(Die Kameraden H-J. Danike, H. Gauster, H. Schulze und H. Wilke sind zwar  erst
später in die Gilde eingetreten, waren aber als Funktioner von  Anfang an dabei.)

Mein weiterer Dank geht an
Frieda Hesse, die unsere erste eigene Fahne genäht hat;
Gerhard Schmidt, der Halbmond und Stern
für die Fahnenstange schmiedete;
Manfred Boeder, der die Marmorplatte mit Inschrift für
die Gründungsmilchbank stiftete.

„Der Spitzname „Mondscheinkompanie“ stammt ursprünglich aus der Militärsprache und ist nicht auf die  schönen Nächte zurückzuführen, sondern wurde der betreffenden Einheit  wegen ihrer vielen Nachtübungen verliehen.
Die fanden immer dann statt,  wenn es beim Tagesdienst mit dem Singen und Marschieren nicht klappen wollte!“

Die Kommandeure

1967 - 1971  Joachim Kracht
           1972  Karl Kammradt jun.
1973 - 1975  Jo. Kracht
1976 - 1978  Karl Kammradt jun.
1979 - 1980  Horst Tiede
1981 - 1987  Dieter Wulf
1988 - 1992  Jörg Gödecke
1993 - 1997  Reinhard Klopp
1998 - 2001  Michael Danike
           2002  Karl-René Kammradt
           2003 Tobias Gauster
2004 - 2005  Karl-René Kammradt
2006 - 2013  Tobias Gauster
    seit 2014  Christoph Gassert

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Kommandeursbericht beim Frühschoppen ...

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... unterstützt vom Mondscheintrompeter H.-J. Danike ...

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 ... und dem Rest der Mondscheinkompanie!

Das Lied der Mondscheinkompanie

E
s scheint der Mond so hell auf dieser Welt,
zu meinem Madel bin ich hinbestellt.
Zu meinem Madel, Junge, Junge, Junge,
da muß ich geh´n, ja geh´n.
Vor ihrem Fensterlein, da bleib´ ich steh´n.
Zu meinem Madel, Junge, Junge, Junge,
da muß ich geh´n, ja geh´n.
Vor ihrem Fensterlein, da bleib´ ich steh´n.

Wer steht da draußen und klopfet an,
daß ich die ganze Nacht nicht schlafen kann?
Ich steh´ nicht auf, Junge, Junge, Junge,
lass´ dich nicht ein, ja ein,
weil meine Eltern noch nicht schlafend sein.
Ich steh´ nicht auf, Junge, Junge, Junge,
lass´ dich nicht ein, ja ein,
weil meine Eltern noch nicht schlafend sein.

Den blanken Taler, den schenk´ ich dir,
wenn du mich schlafen läßt, heut´ Nacht bei dir.
Nimm deinen Taler, Junge, Junge, Junge,
scher´ dich nach Haus, nach Haus,
such´ dir zum Schlafen eine and´re aus.
Nimm deinen Taler, Junge, Junge, Junge,
scher´ dich nach Haus, nach Haus,
such´ dir zum Schlafen eine and´re aus.

Wenn wir uns beide einmal wieder seh´n,
dann werd´ ich stolz an dir vorüber geh´n.
Und du wirst sagen, Junge, Junge, Junge,
o weh, o weh, o weh, o weh,
hätt´ ich den Taler doch im Portemonnaie.
Und du wirst sagen, Junge, Junge, Junge,
o weh, o weh, o weh, o weh,
hätt´ ich den Taler doch im Portemonnaie.

* * *

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