wodtit3q
gn3n

1874 - 1952

                       Pastorentochter Milli Klatt erinnert sich:
„Gustav Nagel schrieb alles klein. Er hatte sich in Arendsee in der Altmark, an einem beliebten Ausflugsee, ein Haus aus Zement gebaut, soviel ich erinnere in griechischem Stil. Es gelang ihm nicht, seine wechselnden Frauen von seiner Gesundheitsmethode zu überzeugen und sie verließen ihn, nachdem die neugeborenen Kinder starben, weil er sie gleich nach der Geburt in den See tauchte.
Auf einer Propaganda-Postkarte, die seinen nicht unsympathischen Kopf zeigte, standen Verse. Einige davon gebe ich hier wieder:“ 

„die völker star-n in waffen
als gings zum schlachtefeste
und brach ligt gutes schaffen,
das weib will-s kind nicht, s-beste.

mein got, wi soll das enden,
folgt keiner meinem rufe?
deutsch christlich wird sichs wenden,
gets aufwärts stuf um stufe.

drum komt, reicht mit die hände,
jungfräulich im schmuk der mirte.
das-s folk glük widerfände
fereint, wo jesus hirte.

gnade fon got und leben
wird in meinem bunde.
seid bräutlich got ergeben,
dann schägt des glükkes stunde.“

(arendsee i. altmark, gustav nagel,
deutsch-kristliche mittelstands folkspartei)

„Man sieht, er hatte wie im ersten Vers auch neuzeitliche Ideen.
Die Altmark war noch zu meiner Zeit den Wendländer ein preußisch verachtungsvolles Land, denn viele hatten noch den Untergang des hannoverschen Königreiches erlebt und es war im höchsten Grade befremdlich, wenn ein Mädchen in die Altmark heiratete, obgleich wir Woltersdorfer nur wenige Kilometer von der Landesgrenze entfernt waren. Uns hinderte es aber nicht, Anfang Juli, wenn passenderweise die Heuernte vorbei war, einen Riesen-Kastenwagen anzuspannen und in die „Preußischen Planken“ zu fahren, einem großen Waldgebiet mit den herrlichsten Bickbeeren (Heidelbeeren). Wir pflückten Wäschekörbe voll! Anna Mente, unser lustiges Hausmädchen, ahmte dann das Sächsische nach, das sie von den Salzwedelern gehört hatte: „Gomm, wir woll´n Jeriertes essen!“
In Salzwedel gab es 1902 schon ein modernes Warenhaus. Da gab es die ersten Druckknöpfe und ich weiß noch, wie mein Vater empört war, als meine Mutter ´mal von Gustav Ramelow eine Menge davon mit nach Hause brachte und dafür so viel Geld für solch` unnötige Dinge ausgegeben hatte.
Angeregt für solche Neuerungen wurde sie durch die Lehrersfrau Wittfogel, die zum Kochenlernen städtische, gebildete junge Mädchen in Pension hatte.

Im Lauf der Jahre besserte sich aber das Verhältnis zur Altmark. Die Lüchower fuhren nach Salzwedel zur Schule und die jungen Leute per Rad zum „Dionysosmarkt“ beziehungsweise zum „Niesmarkt“ nach Salzwedel.“

                                                     ***
 

nagel1n