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(erzählt von Milli Frank - Klatt)

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Zu den Woltersdorfer Originalen gehörte zweifellos "Trinlies".
Lustig, wenn sie durchs Dorf schlenkerte und die Straße sauber fegte mit ihrem langen Rock, unter dem sie stets mehrere Unterröcke trug. Wenn man zu ihr sagte: „Trillies, Du müsst di ok mal waschen!“ dann entgegnete sie:
„Mi hat dat so vor Ohrn vör schoaten, ick kann dat nich vastahn!“. Ansonsten ging sie immer bei den Bauern reihum zum Essen.

Was übrigens die langen Röcke damals anbetraf, so hatten sie unten ein Stoßband, das leicht gesäubert und auch ersetzt werden konnte. Denn weil  die "Unaussprechlichen" noch nicht gebräuchlich waren, mußte der weibliche Unterkörper durch Flanellunterröcke und lange Oberröcke vor Wind und Wetter geschützt werden.

Einmalig, wie die langen Vornamen, die im Kirchenbuch verzeichnet waren, im täglichen Gebrauch verkürzt wurden. So war "Trinlies" aus Katharina Elisabeth entstanden und "Dortlies" aus Dorothea Elisabeth. Und wie hübsch war "Merieken" statt Marie.
Es gab so unheimlich viele "Schulz" im Dorf; wer konnte sich da durchfinden? Karl Schulz wurde "Staßenburgs Karl" und Heinrich Schulz "Schlichten Heinrich" genannt und Luise Schulz hieß nur "Bamboissels Lieschen".
Mir jedenfalls war nie klar, wer von ihren Vorfahren so gehießen haben mag. Und ich hieß nicht Milli Frank sondern wurde “Pastoan Milli” genannt aber der Posthalter sagte immer “Fräulein Pastor” zu mir.

Die Städter mokierten sich oft darüber, daß man im Plattdeutschen das “H” nicht aussprach und als Beispiel wurde immer gesagt: „De und löppt achter de as er!“ (Der Hund läuft hinter dem Hasen her!).

Hasen gab es in Woltersdorfer Wald und Flur in Unmengen. Sie bildeten die Hauptnahrungsquelle für die vielen durchziehenden Zigeuner. Das Vorurteil, daß sie stehlen würden, erhärtete sich leider durch verschiedene Vorfälle, als man einmal in einem Kaninchenloch die schönen alten Zinnleuchter aus unserer Kirche fand und ein andermal kam - irgendwo vergraben - die ganze Bettwäsche der Rebenstorfer Pastorenfrau wieder zu Tage.
Dennoch gab meine Mutter ihnen immer reichlich und ich fand sie und ihre grünen Wohnwagen romantisch.

Die Woltersdorfer Märchenerzählerin war “Lucksen Mudder”. Da sie gelähmt war, hatte sie so viel Zeit für uns Kinder. Zu Pfingsten wurde ein Zicklein geschlachtet und wir sangen dann gemeinsam:

„Wenn Pingsten is, wenn Pingsten is,
denn slacht uns Vader een Bock;
denn danzt uns Mudder, denn danzt uns Mudder,
denn wackelt uns Mudder ehr Rock!“

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