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Mehr zur Geschichte der
Lüchow-Schmarsauer-Eisenbahn (LSE)
gibt es hier:
KLICK!

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Wenn man auf der B 493 von Woltersdorf  kommend, den Ortsteil Oerenburg erreicht, erstreckt sich kurz hinter dem ehemaligen Bahnübergang der LSE auf der linken Seite das langgestreckte Gebäude der früheren “Villa Streithoff”. Interessanterweise verwendete man an diesem imposanten Haus verschiedene Baustile.
Auf dem Hof, der sich auf der nordwestlichen Seite befindet, stand vor dem Krieg ein großes Sägewerk. In den 50er Jahren ging der Besitz in andere Hände über und in der Villa fanden bald viele Flüchtlingsfamilien aus den deutschen Ostgebieten Unterschlupf. Hier wohnte zeitweilig auch mein Schulkamerad Arthur Schulz mit seinen Eltern.
Einige Jahre später übernahm die Bundeswehr einen großen Teil der Gebäude. Sie brachte hier vorübergehend ihre Soldaten unter, die auf dem Thurauer Berg - auf einem abenteuerlich konstruierten Holzturm - ihre ersten Horchversuche gen Osten unternahmen. Die Zeit zwischen den Diensten verbrachten die Männer überwiegend bei NATO
-Gerda, der Wirtin der Gaststätte im gegenüberliegenden Bahnhof der Lüchow-Schmarsauer- Eisenbahn (LSE) - wahrlich eine Institution in dieser Zeit.

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Das ehemalige Bahnhofsgebäude “Oerenburg” heute ...

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    ... und vor 50 Jahren.
    Der Triebwagen links im Vordergrund hatte damals die treffende Bezeichnung
    “Der rasende Lemgower”.

Auf dem Foto gut erkennbar, befand sich im vorderen Bereich des Bahnhofsgebäudes eine Gaststätte, die seinerzeit von Gerda L. betrieben wurde. Sie war nicht nur die tägliche Anlaufstelle vieler Soldaten rund um den Holzturm, sondern auch mancher Einwohner aus Woltersdorf und darüber hinaus, zumal es hier per Gesetz keine Sperrstunde gab.
Unter anderem hatte unser Woltersdorfer Tierdoktor und Original “Docky” die Kneipe zu seinem zweiten Wohnzimmer erkoren. Zum einen war er schon immer von allem Militärischen fasziniert, zum anderen hatte er hier stets ein Forum, vor dem er sich präsentieren konnte. Das die Anwesenden sich dabei mehr für seine Freibierrunden als für seine Volksreden interessierten, schien für ihn zweitrangig zu sein. Wenn man ihm aber zu sehr den Respekt verweigerte, konnte er schon sehr extrem werden. Davon zeugten dann noch lange mehrere Einschüsse in der Kneipendecke von seinem Browning im Kaliber 6,35 mm - eine beliebte Taschenpistole der Wehrmachtsoffiziere -, die er als Jäger stets bei sich trug.
Die Bahnhofsgaststätte erreichte dadurch einen noch höheren Bekanntheitsgrad und firmierte dann nur noch unter dem Begriff “NATO-Gerda”. Auch nach Aufgabe des Bahnhofs und Wechsel der Location nach Lüchow blieb Gerda L. mit diesem Namen behaftet.

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Etliche Jahre später errichtete Friedrich (Möller)-Schulz aus Woltersdorf, 200 m östlich vom ehemaligen Bahnhofsgebäude, wieder ein Sägewerk in Oerenburg.

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Das Nachfolgebauwerk des ursprünglichen Holzturmes auf dem Thurauer Berg.
Bilder aus dem Turminneren sehen sie hier:
KLICK!

Folgt man dem Verlauf der früheren Bahnstrecke von Oerenburg aus in nordwestliche Richtung, kann man nach ca 500 Metern, auf der Höhe der ehem. Hahlbohmschen Lagerhalle, heute durchaus noch Reste der alten Bahntrasse erkennen..

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Alter Bahnverlauf nach Oerenburg ...

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... und in Richtung Woltersdorf.

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Die ehemalige Lagerhalle der Firma “Straßen-Hahlbohm” aus Lüchow nach einem Brand in den 90er Jahren.
(Im Hintergrund verlief die Kleinbahn zwischen Woltersdorf und Oerenburg.)

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Blick vom früheren Standort des Kieswerks
zur Oerenburger Straße hin
(Die Kieswasch- und Sortieranlage, die in den 50er Jahren von Otto Milatz errichtet wurde, war eine 15 Meter hohe Betonkonstruktion. Heute erinnern nur noch die Fundamente daran.)

D e r   S p r i n g

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Ungefähr 500 Meter vom Dorfteich entfernt liegt in südwestlicher Richtung "Der Spring", die Quelle, die das Bächlein speist, das auf seinem Weg in die Lucie den Woltersdorfer Bauernteich füllt.

Noch vor 50 Jahren sprudelte hier das frische Quellwasser mit hohem Druck aus vielen Vertiefungen hervor und füllte den Springgraben bis zum Rand. In manchen Jahren überschwemmten sogar die anliegenden Wiesen von Hermann "Burgwolter"  und wurden so zu kleinen Seen.
Erst nach der Bodenreform in den 60er Jahren, als man überall tiefe Stichgräben aushob, verkehrte sich alles ins Gegenteil. In manchen trockenen Sommern versiegte die Quelle dann völlig und erlangte bis heute ihren alten Zustand nicht wieder.
Das jährliche Springgrabenräumen, das immer an einem Samstag stattfand, war eine Gemeinschaftsaufgabe aller Dorfbewohner - ähnlich dem "Subotnik" in der damaligen Ostzone.
Jeder Haushalt war verpflichtet, hierfür eine Person mit Gerät (Schaufel, Spaten oder Forke) abzustellen ansonsten wurde ein Strafgeld erhoben. Dieses diente für Speis und Trank in der Gastwirtschaft "Bitter", wo es dann nach der Aktion hoch her ging.

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Springgrabenräumen im vergangenen
 Jahrhundert

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Fleißige Hände reinigen die völlig verkrautete Quelle ...
(v.l., soweit erkennbar: Adolf Bense, Norbert Gehrke, Ralf Kammradt, Ekkehard Bauer, Martin Grade, Burkhard Mente)

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... und den Zufluß zum Bauernteich..
(v.l., soweit erkennbar: Ulrich Schneider, Hartwig Mente, Werner Schulz,
 Hartmut Schulz)

* * *

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Das ist die Kanalbrücke, die Mike Reinhardt als künstlerisches Motiv für seine Bilder diente.

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Die "Lucie" - so wird das Feuchtgebiet entlang des Lucie-Kanals genannt - war schon immer ein beliebter Winterrastplatz für die durchziehenden Kraniche.
Bei den abgebildeten Tieren handelt es sich aber wohl um ein standorttreues Elternpaar mit ihrem Jungen, das schon 2014 hier gesichtet wurde. Der Jungvogel hat noch keine Schleppe.(JM)

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Diese Brücke führt in der nordöstlichen Verlängerung des Brautsteinweges über den Lucie- Kanal. 
 (Hier mit dem Blick nach Süden.)

D e n k m a l p f l e g e

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Unser Brautstein im Pfingstkleid
... von fleißigen Händen festlich hergerichtet.

Gepard

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