Trotzig: TuS Woltersdorf holt 1:1 – eine Minute, zwei Tore.
Bis heute wirkt in Woltersdorf ein Fußballereignis nach, das die Elbe-Jeetzel-Zeitung für „ejz vor 25 Jahren“ ausgegraben hat. Am 12.8.2001 ging der TuS Woltersdorf geschlossen und trotzig wie ein „gallisches Dorf“ in ein Spiel der Niedersachsenliga, das es in sich hatte – gegen Eintracht Braunschweig II, der damalige Top-Favorit der Liga. Die TuS-Fußballer kämpften mit Einsatz und Herzblut, so gelang ihnen vor 700 Zuschauern im Woltersdorfer Stadion der überraschende Führungstreffer:
“Nach einem Foul an Danike bringt Brandt per Freistoß das Leder hoch vor das Gäste-Gehäuse und Gehrke trifft volley zum 1:0 (58.)“ (ce)
Die Freude war riesig, doch der Jubeltaumel des TuS blieb nicht folgenlos. Die Braunschweiger nutzten ihre Chance und noch in der selben Minute gelang Tuzlak der Ausgleichstreffer zum 1:1 (58.)
So haben die Woltersdorfer also quasi den Aufstieg in die Niedersachsenliga verjubelt. Es blieb beim Unentschieden, doch das Spiel ist bis heute unvergessen wie eben auch die Gemeinschaft als „rebellisches Dorf“ von Fussballverrückten. Gefeiert wird so oder so, denn die Wolterdorfer feiern viel und gerne, wie jeder weiß, der hier wohnt, manchmal auch mit Wildschein(-Bratwurst) und an einer großen Tafel wie einst ein weithin bekanntes gallisches Dorf. .
„Das gallische Dorf jubelt zu lang.“ (PDF)
Der genaue Spielablauf ist nachzulesen im angehängten PDF sowie im ejz Online-Archiv in der Ausgabe vom 13.8.2026. (von C. Ehlers (c) Fotos)
Die Spieler von damals erinnern sich
Es folgen weiter die Erinnerungen der ehemaligen Spieler Marko Gehrke, Michael Danike und Marc Hörtelmann. Sie haben für uns netterweise einen kleinen Rückblick geschrieben – über einen sportlichen Höhepunkt im Wendland kurz nach der Jahrtausendwende.


Kommentare zum Spiel gegen Braunschweig – Niedersachsenliga 2001
Wenn ich mich an die Zeit von damals zurück erinnere, war das Hinspiel gegen Braunschweig schon mein „Highlight-Spiel“ in der Niedersachsenliga. Die ganzen Zuschauer, die Stimmung und die Atmosphäre um das Spiel herum waren einfach großartig und sind bis heute unvergessen.
Wir hatten damals eine super Mannschaft und ein super Trainer- und Betreuerteam. Insgesamt glaube ich, war die Mischung zwischen jungen hungrigen und älteren erfahrenen Spielern unsere Erfolgsformel.
Ich bin stolz darauf ein Teil dieser Mannschaft und ein Teil dieses Vereins gewesen zu sein.Marc Hörtelmann
An das erste Spiel in der Niedersachsenliga kann ich mich gut dran erinnern, weil es ein absoluter Höhepunkt war. Diese Menschenmassen auf dem Sportplatz und die Stimmung. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut …
Unser Tor hab ich nicht gesehen, weil ich gefoult worden bin und mich noch aufgerappelt habe… da war das Ding schon drin. Die ganze Saison war ein Höhepunkt meiner Fußballer Laufbahn und ich bin schon ein bisschen Stolz darauf das erlebt haben zu dürfen. Ab und zu wird man ja sogar heute noch drauf angesprochen. Aber der ganze Weg dahin war ja eine unglaubliche Reise für viele Spieler, den Verein, das Dorf und Fans, die ja 10 Jahre gedauert hat von der Kreisklasse bis zur Niedersachsenliga. Da waren viele dran beteiligt, ob Spieler, Fans oder Sponsoren die all die Jahre für die Erfolge gearbeitet haben. Und am Ende durften wir dann in dieser Liga ein Jahr spielen und wir haben jedes Spiel genossen, auch wenn es einige deftige Niederlagen gab… Aber gefeiert haben wir trotzdem.Michael Danike
Da wird man vom Bürgermeister angesprochen und soll etwas zu einem Zeitungsartikel schreiben, der 25 Jahre her ist. Natürlich haben wir damals etwas geschafft, was wohl in Zukunft in unserem Landkreis nicht wiederholt wird. Nach 4 Aufstiegen in 5 Jahren begann unser Abenteuer in der Niedersachsenliga. Hatten wir dabei auch etwas Glück, dass es nicht zu einem Relegationsspiel gekommen ist.
Unvergessen bleibt, wie uns am Pfingstsonntag-Nachmittag 2001 die Nachricht erreichte, dass wie in die fünfthöchste Liga aufgestiegen sind. Nach einer anspruchsvollen Vorbereitung mit Spielen gegen den LSK I, den HSV und den 1. FC Köln A-Jugend wehte schon ein anderer Duft um unseren Sportplatz. Alles fieberte auf den Saisonstart hin.
Dass ausgerechnet der Favorit und zukünftige Meister Eintracht Braunschweig II der erste Gegner war, motivierte uns umso mehr. Das Spiel wurde auch mit Verspätung angepfiffen, weil viele Zuschauer noch an der Kasse standen. Man selber als Spieler hat vom Spiel gar nicht so viel wahrgenommen. Zum einen, weil das Tempo sehr hoch und man entsprechend fokussiert war und zum anderen, weil die Braunschweiger sehr spielbestimmend waren.
Aber mit viel Kampf und Laufbereitschaft haben wir bis zur Halbzeit das 0:0 gehalten. Die zweite Hälfte begann wieder etwas später, weil die Braunschweiger Gästefans eine Rauchbombe zündeten. Schmunzeln musste man auch über das Banner der Braunschweiger mit der Aufschrift: „Ihr Woltersdorf – Wie Woltersstadt“!!!
Dass uns dann in der 54.Minute bzw. mir der Führungstreffer gelang, war natürlich für alle ein Moment mit Gänsehautgefühl. Leider dauerte dieser Moment nur ca. eine Minute, dann musste unser Keeper Ralf Daug das erste Mal in der Punktspielserie hinter sich greifen. Aber mit etwas Glück und Geschick konnten wir das 1:1 über die Zeit retten.
Was zu dem Zeitpunkt auch für uns neu war: Man konnte die Ergebnisse bei N3 per Videotext aufrufen. Somit standen viele Fans und Spieler vor unserem Vereinsheim und warteten auf die Ergebnisse. Eigentlich sollte noch eine Pressekonferenz stattfinden, aber das ist alles Trubel untergegangen. Umso schöner ist es, dass man auch heute noch einigen angesprochen wird auf die Zeit im „gallischen Dorf“ und dieses nicht in Vergessenheit gerät.
Mein Fazit ist, dass wir ins Woltersdorf schon soviel erreicht haben, nicht nur im Sportverein, sondern auch in der Feuerwehr und in der Schützengilde, was für andere Dörfer bzw. Städte nur sehr schwer zu erreichen ist. Gemeinsam ist man stark, nicht nur in den Vereinen, auch in der Öffentlichkeit.Marko Gehrke
Aus dem Beitrag der ejz zitiert
„Erst um 15.05 Uhr wurde gestern in Woltersdorf die Niedersachsenliga-Partie angepfiffen. Grund: Zahlreiche Zuschauer standen noch vor dem Kassenhäuschen und hatten noch keinen Eintritt bezahlt.“
„Flair vom Profifußball verbreiteten einige mitgereiste Fans von Eintracht Braunschweig II: Transparente und ihr Schlachtgesang (…) hinter einer Barriere hatten die Eintracht-Fans eine Rauchbombe angesteckt und Leuchtkugeln abgefeuert. Die TuS-Ordner reagierten, die Rauchbombe war schnell aus.“
„Das war Spielkultur gegen Herzblut und Kampf (…) wir haben aus unseren Möglichkeiten fast das Optimale herausgeholt (Otto Ness, Trainer TuS Woltersdorf)
„Das war ein Wahnsinnsspiel, absolut geil. Die Braunschweiger haben im Endeffekt sogar noch Glück, so viele Chancen hatten sie gar nicht.“ (Ralf Daug, Torwart)
„Eintracht Braunschweig II besaß deutlich mehr Spielanteile. Doch die Gastgeber verteidigten die Führung mit Mann und Maus. Und wenn doch etwas durchkam, entschärfte Keeper Daug (…) die Situation. (…) das gallische Dorf überstand den Ansturm des übermächtig erscheinenden Gegners fast schadlos.“ (ce, ejz)



